V/A - Mia san dageng

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V/A - Mia san dageng

Label: Aggressive Noise
VÖ: 2007

22.06.2007 - Das Projekt "Punk in Mnchen" ist ja in aller Munde. Und wie es bei engagierten Projekten nun mal so ist, gibt es nicht nur positive Meinungen dazu. Wie diese Meinungen zu Stande kommen ist sicher unterschiedlich, oftmals spielen aber auch Faktoren wie Neid eine Rolle. Beim "Punk in Mnchen" Projekt ist es aber noch einmal etwas komplizierter, da das Thema "Punk" sehr empfindlich ist. Punk ist mehr oder weniger Definitionssache. Was ein Punk darf, wann man ein Punk ist, wo Punk anfngt und auch wieder endet, das sind Dinge, die im Auge des Betrachters liegen. Ich bin jedenfalls der Meinung, dass man den Leuten, die ihr ganzes Herzblut ber Jahre, oft auch Jahrzehnte, in ihre Leidenschaft stecken und somit auch viel sehr geilen Stuff produzieren einen gewissen Respekt entgegen bringen sollte. In diesem Fall ist natrlich explizit von Katz und Olli die Rede, die in den 90er Jahren angefangen haben, das Mnchner Punk Fanzine "Kruxefix" ins Leben zu rufen. Spter hat man ein eigenes Label gegrndet, dieses Jahr wurde ein eigener Dokumentarfilm gedreht und auch ein Buch ist in Arbeit. Eins haben alle Projekte gemeinsam: Sie beschftigen sich mit der Mnchner Punk Szene. Wenn man sich einmal vor Augen hlt, was hier im Laufe der Jahre an wertvollen und zeithistorischen Material gesammelt und fr die Nachwelt konserviert wurde, ist das schon unbezahlbar. Und um all jene Ttigkeiten einen Namen zu geben und um den Geist der Mnchner Punk Szene zu wahren, hat man eben dieses "Punk in Mnchen" Projekt ins Leben gerufen. Ein Hauptargument der Kritiker des Projektes, welches mir in Erinnerung geblieben ist, ist die Aussage "Punk ist kein Projekt". Das ist nicht ganz unwahr, trotzdem sollte man alles etwas differenzierter und einfach lockerer sehen.

Denn whrend die ganzen Nrgler zu Hause hocken und sich in diversen Internet Foren ber andere Dinge eben so auskotzen oder sich sinnlos die Kante geben in einschlgigen Kneipen, Bars, Pups und Etablissments, sind andere kreativ, verwirklichen ihre Visionen und machen somit sich selbst und auch die Dinge, mit denen sie sich beschftigen, unsterblich. Sie machen anderen Menschen Freude und motivieren diese manchmal ebenfalls dazu, etwas in dieser Richtung zu tun. Gbe es diese Mentalitt nicht, wre Punk damals niemals hochgekommen. Denn eine Gitarre in die Hand zu nehmen und sich den Frust aus dem Leib zu schreien bentigt auch diese Energie und diesen Geist.

Das Vorhaben, welches Katz und Olli bisher sicher am meisten Zeit und Nerven raubte, ist der Dokumentarfilm ber die Mnchner Punk Szene, der dieses Jahr Premiere Feierte und auch noch in die Kinos kommen soll. Zustzlich zu diesem Film sind drei Sampler geplant, die allesamt ausschlielich Punk Musik aus Mnchen beinhalten. Whrend der erste Teil der Reihe Smtliche Hits aus den 70er und 80er Jahren beinhaltet, kriegt man beim zweiten Teil ausschlielich Material um die Ohren gehauen, die bisher entweder komplett unverffentlicht waren oder nur in kleinen Rahmen erschienen sind. Der dritte Teil wird sich dagegen mit den heutigen Mnchner Punk Bands beschftigen.

Mir liegt hier im Moment die Single "Mia san dageng!" vor, die wohl als Auskopplung zu der eben erwhnten Samplerreihe und zu den Doku-Film gedacht ist. Auf dem Silberling sind drei Songs und ein Musikvideo zu finden. Das Musikvideo und der Opener heit "Mia san dageng" und ist der Titelsong aus dem Film. Eingespielt wurde das Lied unter dem Bandnamen "Einstrzende Musikantenstadl". Gesungen wird der Song von den "Projektleitern" Katz und Olli. Der Rest der Band ist schon fast ein "Who is Who" der Mnchner Punk-Musik-Szene. Whrend an der Gitarre Jrg Evers (Pack) die Saiten schwingt, bearbeitet Sigi Hmmer (The Marionettes, Marionetz, Sigi Pop,...) den Bass. Des weiteren ist auch Chris Void (Jrgen und die Pisswrfel, Melody Lee, Pearls for Pigs usw.) an der zweiten Gitarre aktiv und Django Schuster (Marionetz, Jrgen und die Pisswrfel,...) ist als Schlagzeuger mit von der Partie.

Der Song "Mia san Dageng" geht jedenfalls sehr schnell ins Ohr. So wie es bei Punk auch sein soll. Ein klassischer Mitgrlhit. Inhaltlich geht es natrlich um Mnchen, um die dortige Punkszene und um das "Dageng sein". Gesanglich super - berraschend gut, auch wenn Olli eindeutig mehr Potential in dieser Richtung hat als Katz. Aber um beim Punk(t) zu bleiben - wir sprechen ja hier ber Punk, von daher sollte man hier nicht knauserig sein. Fakt ist, dass der Song rockt und ins Ohr geht. Und das ist der Fall. Von daher Daumen hoch!

Das Musikvideo zu diesem Song wurde im Kafe Kult aufgenommen und ist auch erstaunlich gut. Es ist im Stile eines Live-Mitschnittes gedreht und zwischendurch werden die Lyrics mit Bildern untermalt. Auch hier: Daumen hoch!

Als Schmankerl gibt es dann noch zwei unverffentlichte Songs aus der frhen Punk-Phase in Mnchen. Einmal den Song "Pretty Baby" von "The Marionettes" aus dem Jahr 1979 und von "A+P" das Stck "Valium" aus dem Jahre 1982. Das letztere Lied war lange Zeit "verschollen". Die Band hatte diese Aufnahme selbst nicht mehr. Nun ist sie wieder aufgetaucht und findet hier ein wrdiges Medium zur Erstverffentlichung. Als groe Hits kann man keine der beiden Lieder ansehen, aber in Hinsicht auf die Entstehungsjahre sind sie auf jeden Fall uerst interessant!

Wer auf 70er und 80er Deutschpunk steht und Interesse an Punk-Geschichte hat, macht hier nichts verkehrt. Mit dieser Single bekommt man schon einmal einen Eindruck, was den Hrer dann bei der Samplerreihe erwartet. Negativ ist, dass es sich bei der Verpackung der Single "nur" um eine Papphlle handelt und nicht um ein CD Case. Trotzdem schon allein wegen den unverffentlichten Stcken Pflicht fr alle Freunde des Punks! (sk)

Unsere Bewertung:

5 / 5 Punkte

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