Broilers - Vanitas

Zurück zur Übersicht | Archiv Juni 2007 | Archiv 2007

Broilers - Vanitas

Label: People Like You
VÖ: 20. Juli 2007

22.06.2007 - Die Broilers 2007. Wo stehen sie? Wo wird es hin gehen? Keine Band aus dem Oi! & Punk Bereich hat mehr musikalische Quantensprnge innerhalb des letzten Jahrzehnts gemacht als die Broilers aus Dsseldorf. Eine fortlaufende Weiterentwicklung war stets das, was die Band ausgemacht hat. Experimentierfreude und der Mut zur Eigenstndigkeit steht gro auf ihren Fahnen. Entsprechend viel Kritik - hauptschlich aus dem Proll-Oi! Lager - mssen sie sich gefallen lassen. Wie berechtigt und konstruktiv diese ist, muss jeder fr sich ausmachen. Beeindrucken lassen sich die Jungs und das Mdel davon jedenfalls nicht - und das ist auch gut so! Denn Bands, die sich nicht weiterentwickeln und sich immer und immer wieder selbst im Kreis drehen, gibt es schon viel zu viele. Die Broilers sind da anders. Sie sorgen immer wieder fr berraschungen. Auch diesmal. Denn was bei "Vanitas" abgeliefert wird, ist wahrlich etwas Besonderes. Der neue Longplayer ist mit dem 2004er Album "LoFi" nur noch bedingt vergleichbar. Da ist man dankbar, dass man die 2 Jahre bis zum neuen Album mit der Split Single, die man zusammen mit Volxsturm 2006 verffentlicht hat, berbrckte. Dort konnte man sich schon einmal einen Zwischenstand zu Gemte fhren. Die Musik war noch experimenteller als sonst, irgendwie softer, aber dafr umso geiler. Besonders kritisiert wurde, dass Sammy, das Stimmorgan der Broilers, sehr hohe Stimmlagen an den Tag legte. Nun ist wieder knapp ein Jahr vergangen und es ist ein weiterer Fortschritt der Band sprbar.

"Vanitas" knpft nahtlos an die "Good Fellas..." Split Single an. Im Vergleich zu "LoFi" ist der Sound etwas softer - auch verspielter, geht aber mindestens genau so gut ins Ohr und ins Blut ber. Die Anlage sollte sehr laut aufgedreht werden und man sollte den Songs ein paar Eingewhnungsdurchlufe geben, bis sie sich richtig in die Gehrgnge eingenistet haben. Doch im Gegensatz zum letzten Album geht es diesmal sehr schnell. Mit den "LoFi" Songs konnte ich anfangs beispielsweise gar nichts anfangen, diesmal sprt man schon beim ersten Durchlauf, dass es sich hier um sehr geilen Stuff handelt. Auch Sammy setzt seine Stimme wieder in jeglicher Form ein. Das verwhnte Ohr des geneigten Hrers kriegt musikalisch auch wieder mehr geboten, als es sonst sowieso schon der Fall war. Der Grundtenor ist der typische Broilers-Punkrock, der schon seit dem zweiten Album "Verlierer sehen anders aus" den Ton angibt. Desweiteren werden wieder altbekannte Stilmittel wie z.B. der Ska-Sound eingebaut. Cris, der jngst der Band beigetreten ist, um die Musik mit dem Keyboard, der Orgel usw. zu untersttzen, sorgt fr eine deutliche Duftnote, die einen nicht unbeachtlichen Teil dazu beitrgt, den Sound jenseits jeglicher Proll-Oi! und Proll-Punk Ebenen zu katapultieren. Insgesamt wirkt die Musik sehr reif, noch immer eigenstndig, verhltnismig massentauglich, ohne aber an Ehrlichkeit zu verlieren. Jeder, der auf die textlichen Ergsse der Broilers steht, wird auch bei "Vanitas" wieder das volle Programm abkriegen. Der Pathos kommt nicht zu kurz, auch Textstellen, die man sich als Slogans auf Shirts drucken knnte (wie "Statt der weien Fahne werdet ihr meinen Mittelfinger sehen") sind auch wieder zahlreich vorhanden und der Jokus kommt diesmal auch nicht zu kurz ("...wir danken Hasselhof und dir fr den Mauerfall"). Whrend der Song "Wir gehen schonmal vor" die jugendliche Rebellion, respektive die Szene besingt, reiht sich der Opener "Zurck zum Beton" wrdig in die Reihe von Grostadtromantik Songs ein wie "Deine Stadt" oder "Knig des Viertels". Was mich wundert ist, dass die Broilers auf diesem Album ausschlielich auf Deutsch singen. Da man diverse englischsprachige Ausflge auf dem letzten Tontrger zu verzeichnen hatte, ging ich davon aus, dass man auch hier weiter anknpft - gerade was das internationale Publikum angeht, wre dies vorteilhaft gewesen. Aber dies zeigt nur wieder einmal, dass die Broilers allgemein die richtigen Prioritten setzen - nmlich das zu tun, worauf man Bock hat und nicht, was mehr Hrer rekrutieren wrde.

Bei den ersten Durchlufen wirkt das Songpaket von "Vanitas" noch etwas einheitlich. Erst bei genauerem Hinhren kristallisieren sich die Strken der einzelnen Stcke heraus. "Vanitas" braucht Zeit, wird dafr aber entsprechend lange in den Ohren und in den Anlagen der Hrer verweilen.

Zwar liegt mir nur eine Promo-Version vor und somit nicht das endgltige Album. Trotzdem kann man sich schon ein wenig einen Eindruck vom Artwork verschaffen. Sammy hat sich dem auch diesmal wieder angenommen und schon allein das Cover und der "Vanitas" Schriftzug sprengen wieder alle Erwartungen. Das Titelbild zeigt eine Collage eines Totenkopfes mit diversen Messern, einen Schlagring und einer Eieruhr, was fr viel interpretatorischen Spielraum sorgt.

Ein Intro und 18 Songs bei einer Spielzeit von satten 66 Minuten hat "Vanitas" in petto. Bei so einer Masse an neuen Songs und Eindrcken ist es schwer ein gerechtes Bild des Albums sich nach kurzer Zeit zu verschaffen.

Von daher belasse ich es hierbei fr heute. Ich schliee diesmal nicht aus, dass ich zu diesem Album nach einigen Wochen noch einmal meinen Senf dazu gebe. Denn dann werde ich wahrscheinlich intensivere Eindrcke haben, als nach dem dritten Mal hren.

Bisher kann ich das Album jedenfalls schon mal allen, die mit dem Werdegang der Broilers kein Problem haben, uneingeschrnkt empfehlen. Die Hrerschaft wird auch mit diesem Album noch einmal gehrig wachsen. Mal sehen, wie es weiter geht... (sk)

Unsere Bewertung:

5 / 5 Punkte

5 / 5 Punkte

Möchtest Du Dich selbst überzeugen?

Jetzt kaufen

Mehr zum Thema

News

Reviews

Konzertberichte

Fotos

Interviews

Print & Video