Broilers

Zurück zur Übersicht | Archiv Juni 2011 | Archiv 2011

Broilers

Redaktion: Guten Morgen!

Andi & Sammy: Guten Morgen (im Chor)

Redaktion: Ihr seht ziemlich fit aus nach dem Gig gestern...

Andi & Sammy: ...ehrlich???

Redaktion: Ja, rein optisch kann man nicht klagen. Wie hat es euch gestern gefallen?

Sammy: War geil, ohne Scheiß. Das ist kein doofer Spruch gewesen von der Bühne aus. Es war definitiv die beste der Warm-Up Shows bisher. Es hat lange nichtmehr so viel Bock gemacht, es war... kollossal.

Redaktion: War es von der Größe her vergleichbar mit den beiden Warm-Up Shows in Köln und Düsseldorf?

Sammy: Es war sogar noch etwas kleiner gestern. In Etwa mit Köln vergleichbar.

Redaktion: Zu den Songs von gestern. Ich hatte erwartet, dass Ihr mehr vom neuen Album spielt, vielleicht sogar das komplette Album antestet. Es waren allerdings relativ wenig, nur fünf oder 6...

Sammy: Wenn es nach unserem Orgelspieler Christian gegangen wäre... Er hätte es gut gefunden, das ganze Album zu spielen. Ich finde das nie so gut. Zum Einen testet man zwar die neuen Songs an und macht die Leute hungrig auf die Platte, aber das ganze Album zu spielen ist schwierig, wenn die Leute die Songs noch nicht kennen. Zumal es dann im Publikum auch ruhiger wird, weil die Leute die Songs hören wollen und nicht mitsingen können und das irritiert uns dann. Deshalb haben wir versucht einigermaßen zu Mischen, ein paar neue Sachen, ein paar ganz alte Nummern.

Andi: Es ist auch schwierig, denn man muss davon ausgehen, dass wenn man sowas live spielt es dann am nächsten Tag bei YouTube drinsteht. Das fände ich jetzt gar nicht so schlimm, aber ich finde es nervig, wenn ich mir ein Album kaufe und die Hälfte der Songs schon irgendwoher kenne. Das enttäuscht mich dann selber. Von daher fand ich es gut, dass wir es so gemacht haben.

Sammy: Kissenschlacht! (alle lachen)

Redaktion: Werden im Laufe der anstehenden Konzerte und Festivals trotzdem alle Songs mal live auftauchen? Ich habe es ganz besonders auf einen Song abgesehn.

Sammy: Ich würde es gerne mal probieren. Ich glaube, das müssen wir auch, denn das haben wir noch nie gemacht alle Songs eines Albums zu spielen. Ich finde die Songs sind anders geschrieben worden, das heißt so, dass sie alle live funktionieren könnten, nicht müssen, aber sie können. Wir wollten gestern auch die Ballade "Singe, Seufze & Saufe" spielen...

Redaktion: ...genau auf diesen Song hatte ich es abgesehn...

Sammy: ...da ich aber gestern meine Fingerkuppe am Zoll verloren habe (zeigt seinen pflasterumwickelten Mittelfinger) im Flughafen, als ich in meinen scheiß Rasierer gegriffen habe und den ganzen Zoll vollgeblutet habe, konnte ich nicht mehr zupfen. Darum mussten wir das Lied kurzfristig rauskicken. Wir hatten es geplant als erste Zugabe.... Schade. Wir werden den Song aber bei den andern Shows spielen.

Redaktion: Ich habe eben im Aufzug schon ganz kurz mit Andi drüber geredet. Möchtet ihr vielleicht nochmal die Anekdote zu eurer Anreise nach Berlin zum Besten geben?

Sammy: Oh furchtbar. Wir hatten 2000... Wann haten wir den Autounfall?

Andi: ...2002.

Sammy: 2002 hatten wir den Autounfall, bei dem wir uns mit dem Auto überschlagen haben. Das war scheiße, wir haben auch noch ein paar Narben, aber das war gefühlsmäßig Nichts gegen das, was wir gestern im Flugzeug hatten. Ohne Scheiß, das war für mich bisher das Schlimmste, das ich bisher im Leben erlebt habe.

Andi: (lacht)

Sammy: Unser Manager lacht darüber, weil er häufig fliegt, aber die Turbulenzen waren echt wild. Man ist da auf den Sitzen geflogen. Ätzend! Da sind wir auch Pussys, wir haben alle Flugangst.

Andi: Es fing schon beim Start in Düsseldorf an, da mussten wir nach 10 Minuten umkehren, weil Vögel ins Triebwerk geflogen sind. Wir hatten so eine "Fokker", so ein ganz kleines Flugzeug, das hat es scheinbar nicht ausgehalten, da mussten wir wieder landen. Zwei Stunden später sind wir dann mit einem neuen Flugzeug wieder gestartet und über Berlin gab es dann eine Gewitterwolke, die war riesengroß. Wir haben mehrmals versucht irgendwie zu landen, aber mussten das immerwieder abbrechen, weil es nur noch geruckelt hat. Nee, war nicht schön.

Sammy: Das ist ja blöd, weil du stirbst vier Minuten lang. Bis du auf dem Boden aufkommst dauert es lange, da hat man vier Minuten dermaßen Angst, du hast dir die Hose so vollgekackt, hast alles an Würde rausgeschrien...also unglaublich. Ich war so wütend, wenn wir jetzt sterben, dann bin ich so angepisst. Nichtmal das Release von der Platte erlebt...

Andi: ...wäre aber für die Verkaufszahlen voll geil gewesen... (alle lachen)

Sammy: ...toll, da hätten wir ja viel von.

Redaktion: Aber zum Glück seid ihr abends noch im Club angekommen. Wie ist das vom Gefühl her in so einem kleineren Club, im Vergleich zu, z.B. Oberhausen auf der letzten Tour mit 3500 Leuten?

Sammy: Gestern war wirklich eine außergewöhnlich geile Show. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass wir dieses Jahr noch nicht viel gespielt haben. Was wir immerwieder versuchen ist, dieses Gefühl irgendwie in die großen Hallen zu übertragen. Oberhausen war auch ein Knaller, sehr intensiv. Wir wollen, dass es die ganze Zeit knistert zwischen uns und dem Publikum. Es wird natürlich schwerer je größer die Halle ist.

Andi: Bei kleinen Shows merkt man die Stimmung sofort, also wenn es nachlässt oder wenn Lieder kommen bei denen die Leute total abgehen. Das merkt man sofort unmittelbar. Bei größeren Sachen sieht man immer nur die ersten 3 oder 4 Reihen und was dahinter passiert kriegt man meistens nicht mit. Von daher sind diese kleinen Sachen schon intensiver

Redaktion: Habt ihr schon einen Eindruck gewinnen können wie die wenigen neuen Songs beim Publikum angekommen sind?

Sammy: Ich selbst war sehr konzentriert bei den neuen Songs, denn ich vergesse gerne mal den Text. Ich habe aber das Gefühl das die Songs "Gemeinsam" oder "Tanzt du noch einmal mit mir?", also das, was man schon von youtube kennt, ziemlich gut ankommt. Bei "Schwarz, Grau, Weiß" gestern, hatte ich das Gefühl, dass es ein ganz schwieriger Titel ist. Die Leuten verstehen den Text akkustisch noch nicht und auch den Zusammenhang vom Text noch nicht wirklich verstanden haben. Er ist auch gar nicht so einfach zu verstehen. Deshalb hab ich mich bei diesem Song sehr aufs Publikum konzentriert um zu erkennen wie die Leute reagieren. Dabei habe ich mich natürlich prompt komplett versungen, sogar mehrmals. Bei diesem Song bin ich sehr gespannt wie er funktioniert. "Harter Weg" ist als Single bekannt, der ging total ab, das war ein super Start.

Andi: Und "Warte auf mich" als B-Seite.

Redaktion: Dann kommen wir zur Produktion vom neuen Album. Ich habe kürzlich gelesen, dass Ihr zu Jochens kleiner Plattenfirma (JKP) gewechselt seid, aber das Album ist weiterhin bei People Like You (PLY) erschienen. Das fand ich etwas verwirrend.

Sammy: JKP ist unser Management.

Andi: Unsere Plattenfirma ist ganz normal noch PLY.

Redaktion: Wie entstand die Verbindung zu JKP?

Sammy: Ich habe vor 2,3 Jahren angefangen T-Shirt Design für "Die Toten Hosen" zu machen. Da spricht man halt mal miteinander und stellte fest, dass es ja auch auf diesem Wege ganz gut zusammenpasst. Deshalb sind wir ganz glücklich, dass sich der Kreis jetzt so geschlossen hat.

Redaktion: In den News der "Hosen" hieß es schon, dass da Einiges von eurem Album zu erwarten sei. Bedeutet euch das etwas?

Sammy: Wir sind immer "Hosen"-Fans gewesen. Sie waren mit ihrem Album "Learning English" der Auslöser für uns diese Band zu gründen und anstatt Metal, dann Punkrock zu hören. Darum bedeutet uns das ziemlich viel. Es hat mich auf dem ECHO sehr gefreut, als ein besoffener Campi zu mir sagte "Endlich mal wieder eine geile Band aus Düsseldorf". Die sind stolz und freuen sich, dass wir bei denen im Management sind und das freut uns wiederum. Alle freuen sich... Aber ich war auch schon ganz schön voll (lacht).

Sammy: Sie krabbelt... (unsere hübsche Fotografin krabbelt ums Bett) Kissenschlacht!!!

Redaktion: Produziert habt ihr das Album mit Vincent Sorg. Was war das für eine Erfahrung? Denn er hat ja schon für große Bands produziert, wie z.B. Die Toten Hosen, In Extreme oder Kreator.

Sammy: Ihr beide teilt euch natürlich die gleiche Frisur und hat uns, ähnlich wie ihr, gezeigt, dass Menschen mit Zopf durchaus nett sein können (alle lachen). Vincent ist ein geiler Typ, wir haben sehr viel gelacht während der Produktion. Es gab eine große Streitkultur, ich habe mich viel mit Vincent gestritten. Das Problem ist nur, dass ich es nicht mag, wenn ich schreie und der Andere nicht zurückschreit. Das macht mich noch wütender. Aber es war eine gute Erfahrung.

Andi: Es war ja das erste Mal, dass wir überhaupt einen Produzenten dabei hatten. Wir waren am Anfang auch echt kritisch und haben überlegt, ob es überhaupt passt bzw. Ob wir überhaupt mit einem Produzenten zusammenarbeiten können. Sammy ist da immer sehr....

Sammy: ...Ich kann ganz schlecht etwas aus der Hand geben. Da habe ich natürlich Angst, dass jemand Fremdes in die Band eindringt und versucht alles auf Links zu drehen.

Andi: Wir haben angefangen eine Vorproduktion zu machen, das heißt wir haben uns erstmal angeschaut, ob es menschlich überhaupt passt. Es war viel unspektakulärer, als wir es erwartet hatten. Es ist halt nicht so, dass er sagt "Passt mal auf, wir machen das jetzt so und so", sondern er hat einfach frische Ohren und hilft aus der Perspektive von jemandem der Musik zum ersten Mal hört und sagt eher sowas wie "Cooler wär's doch, wenn ihr jetzt den Refrain jetzt nur halb so lang machen..." und eben solche Kleinigkeiten. So, dass die Titel doch etwas fresher werden

Redaktion: Also hat er nicht grundlegend "reingepfuscht"?

Sammy: Nein, das können wir nicht zulassen. Wir sind wie ein altes Pferd in der Beziehung, also sehr stur. Da muss man sehr vorsichtig mit uns sein.

Redaktion: Wie war euer Aufenthalt in dem Studio? Ihr habt ja längere Zeit zusammen in diesem Gebäude verbracht.

Sammy: Das war für uns auch neu. Wir haben das erste Mal einen Monat am Stück im Studio gelebt und auch so, dass wir keine Ablenkung hatten. Wir waren auf dem Münsteraner Land, da kannst du maximal Kühe umschubbsen. Das ist die größte Freizeitbeschäftigung, die die Landjugend hat. Aber es war super, dass wir so lange konzentriert am Stück arbeiten konnten. Sich einen Monat nur auf die Musik zu konzentrieren hat uns sehr viel gebracht.

Redaktion: In eurem Trailer, den es u.a. Bei youtube zu Sehen gab, war die Rede von einem "Nudelfiasko". Was darf ich mir darunter vorstellen?

Andi: Wir haben komplett im Studio gewohnt und haben also auch essen müssen und darum hat jeder mal kochen müssen. Ines hat angefangen und wollte Pasta für alle machen...puuuh....und das war...man muss aber auch sagen, dass wir echt die falsche Pasta gekauft hatten. Das waren diese ganz dünnen, keine Spaghetti, sondern Spaghettini?!

Sammy: Metro-Billig-Spaghetti.

Andi: Die waren echt wiederlich, ganz schwer zu essen.

Sammy: Da habe ich echt gedacht, uh Ines Smentkowski ist nächste Woche schonwieder dran, aber dann hat sie ihre Ehre gerettet mit einem ganz köstlichen Mahl. Andi hat z.B. Kotelettes gemacht und dabei mehr oder weniger einen Zahn verloren.

Andi: Ja, das war das teuerste Kotellete in meinem Leben. Ich habe mir den Knochen zwischen 2 Zähne ins Zahnfleisch geknallt. Das hat sich dann entzündet und jetzt müssen die beiden Zähne behandelt werden.

Redaktion: Die Bedeutung des Titels des Albums "Santa Muerte" habt ihr in eurem Trailer bereits erklärt, aber was hat es für euch persönlich für eine Bedeutung bzw. wie übertragt ihr das in Euer Leben?

Sammy: Ich habe es so auf mich übertragen. (Deutet auf sein "Santa Muerte"-Tattoo)
Für mich ist es dieser Totenkult, bzw. die Art mit dem Tod umzugehen finde ich durchaus symphatisch. Das ist doch geil, wenn du deinem verstorbenen Mitmenschen gedenken möchtest, indem du ein Picknick machst auf dem Grab. In Mexiko hast du keine düsteren, gothischen Friedhöfe vor Augen, sondern bright, sunny, alles glücklich, Picknick, lachende Kinder...super.
Leben und Tod...naja, gestern habe ich das nicht souverän gesehen im Flugzeug.(lacht) Also das ist, was mir gut gefällt, diese Bilderwelt. Du hörst Santa Muerte und denkst, hmm Santa Claus, Santa Muerte...Ich habe direkt Palmen im Kopf gehabt und ich stehe auf Palmen. Andi, wie ist das bei dir? Stehst du auch auf Palmen...auf geile Palmen?(kuschelt sich zu Andi)

Andi: Ich stehe auf Santa Claus. Also ich mag bei "Santa Muerte", wie bei unseren letzten Alben auch, das sich der Titel einfach sehr geil anhört. Es ist kein deutscher Titel, aber auch kein englischer Titel. Ich finde es generell schwierig, eine deutsche Band mit einem englischen Titel. Z.B. "Vanitas" oder "LoFi" klingt alles cool.

Redaktion: Laut Trailer seid ihr mit ca. 60 Songideen ins Studio gegangen, 14 sind auf dem Album gelandet. Wird es vom Rest noch etwas zu hören geben?

Sammy: Wir werden noch eine Single bzw. EP rausbringen auf der wir auch noch drei unveröffentlichte Songs draufhaben. Ich würde die auch gar nicht B-Seiten nennen, denn es war eine ganz knappe Entscheidung, welche Songs auf das Album kommen. Wir haben dann in einer eklig, anstregenden Demokratie zusammengesessen und überlegt, welche Songs wir auf das Album nehmen. Die Songs hätten also durchaus auch auf dem Album sein können, aber wir mussten uns ja von Songs trennen. Wir wollten nicht wieder so ein langes Album haben, wie bei der "Vanitas".

Andi: Das Schöne war, wir haben dann Punktesysteme entwickelt. Jeder konnte Punkte vergeben für die Songs und die Songs mit den meisten Punkten kommen dann auf das Album. Aber jeder hat sich ein anderes Punktesystem ausgedacht, damit genau es seine Songs auf die Platte schaffen. Wir haben den ganzen Abend damit verbracht Punkte zu verteilen, oder Sternchen.

Redaktion: Welcher Song war für euch der Song, der definitiv auf das Album musste?

Sammy: Was klar war, dass waren die Songs, die auf jeden Fall drauf mussten. Da gab es einen totalen Konsenz. Es gab fünf, sechs Songs bei denen alle sagten, dass sie unbedingt drauf müssen. "Harter Weg", "Tanzt du noch einmal mit mir?", "Singe, Säufze & Saufe", "Verdammte Stille". Diskutiert wurde über Songs wie "Schwarz, Grau, Weiß", machen wir den drauf?! "In ein paar Jahren" der am Anfang gar nicht so ein heißer Scheiß für uns war, aber mittlerweile einer meiner Lieblingssongs auf der Platte. Das verändert sich. "Vom Scheitern" fanden wir am Anfang schon total super. Ich stehe total auf den Song, aber Leute denen wir das vorgespielt haben, haben teilweise mit dem Kopf geschüttelt und gesagt "seid ihr bescheuert?"

Redaktion: Wie ist der Song ("Vom Scheitern") im Speziellen so entstanden?

Sammy: Den Fernseher angemacht und die ganzen Loser gesehen, die glauben, dass die Welt da draußen sie mit Handkuss erwartet. Schweinewürstchen in Dubai verkaufen als Hans und Clara ist schwierig. Die können ja nicht erwarten, dass sie mit einem Handkuss empfangen werden. Weil Deutsche dazu neigen mit einer ungeheuren Arroganz ins Ausland zu fahren. Hingehen und denken, dass die ganze Welt auf sie wartet. Würstchenbude am italienischen See... es ist nicht mit auswandern getan, dass einem automatisch besser geht. Das ist es einfach,w as ich so beobachtet hab und natürlich nervt.

Redaktion: Generell habe ich den Eindruck, dass die Songs etwas softer sind und dass gar keine klassische Punkrock-Nummer auf dem Album ist. War das so beabsichtigt oder hat sich das beim einspielen der Songs so ergeben?

Sammy: Total unbeabsichtigt. Du musst ja überlegen, für den Hörer sind es vier Jahre von der "Vanitas" bis jetzt, für uns war es jede Woche drei mal Probe, für uns war das ganz schleichend und ganz normal und auch ganz natürlich, dass es so passiert ist am Ende. Also alles ganz unbewusst. Also eigentlich ist "Alles geht weiter" schon eine Punk-Nummer, oder?!

Redaktion: Also im Vergleich zu den ganz alten Sachen...

Andi & Sammy: ...ja das stimmt.

Andi: Es ist auch die Frage woran man Härte ausmacht. Die einen sagen es ist nur die Stimme, die ausmacht ob ein Lied hart ist oder nicht, die Anderen sagen es sind die Geschwindigkeit und die Gitarren. Ich finde man kann auch einen mid tempo-Song hart spielen und es ist trotzdem einfach kräftig.

Redaktion: Sammy, du bist beim Gesang fast schon mutig, melodisch und hast dich auch an höhere Töne rangetraut und das hat auch super geklappt. War das auch so ein Prozess oder ganz bewusst?

Sammy: Mir war schon immer daran gelegen die Töne zu treffen, die ich treffen will. (lacht) Hat aber auch nicht immer geklappt. Ich habe das jetzt aber durchaus bewusst getan, ich habe einfach etwas höher angesetzt. Ich finde unsere Texte sind wichtig und ja, die waren nicht immer gut zu verstehen in der Vergangenheit. Ich habe mich diesmals schon darum bemüht, dass man die Texte besser versteht. Ich mag Bands eigentlich lieber, bei denen die SängerInnen hohe Stimmen haben. Und ja wie konnte das passieren, dass die Stimme mit dem Alter bei mir ja eher höher wird?! Sonst wird sie ja eher brummeliger. Aber da gebe ich mir nochmal 10-15 Jahre bis die Stimme auch so wird.

Redaktion: Ich gehe davon aus, dass eure Fanschar immer größer wird. Der Prozess ist ja anhaltend. Stellt euch einfach mal vor: 2014 - Die 20 Jahre Broilers - Tour, ihr spielt vor 50.000 bis 100.000 Leuten, MTV spielt eure Songs rauf und runter, ihr habt alle 50. Millionen auf dem Konto und wisst gar nicht wohin damit. Könnt ihr euch selber als den klassischen Superstar vorstellen?

Sammy: Wir haben uns ja entschieden durchaus von unserer Musik leben zu wollen und das auch mit jeder Konsequenz zu tun. Das bedeutet aber auch, dass finde ich natürlich schade, dass du an Lebensqualität verlierst. Einfach mal in die Altstadt gehen können, es kann sein, dass das irgendwann mal aufhört. Ich mag die Altstadt gerne und einfach mal rausgehen und Saufen mag ich auch ganz gerne. Aber 50 Millionen auf dem Konto und nicht wissen, was man damit tun soll, dass ist auch ganz nett. Ich würde mir einen Zeppelin kaufen und ein dreibeiniges Pferd.

Andi: Das wäre geil.

Sammy: Ein Zeppelin wäre geil, so ein kleiner Privat-Zeppelin, der immer auf Kopfhöhe neben einem herfliegt. Ich gehe mit Andi spazieren und er zieht mich so am Zeppelin lang.

Andi: Ach du sitzt da drin?

Sammy: Ich sitze da drin.

Andi: Ich dachte nur so einen Kleinen auf dem du deine Flasche abstellen kannst.

Sammy: Auch geil, aber ich würde da gerne drinsitzen und du ziehst mich so durch die Straßen. Hach, das wäre schön.

Redaktion: Denkt ihr, dass wenn ihr diesen Superstar-Status erreicht habt, ihr auch den Krieg gegen die Kühlboxen endgültig gewonnen habt?

Sammy: Kühlboxen... dieser Sebastian... Kühlboxen, lange nichtmehr drüber nachgedacht. Durchaus ein Thema, das immerwieder auftaucht, aber das ist ein Kampf gegen Windmühlen, den kannst du nicht gewinnen.

Redaktion: Zum Artwork von "Santa Muerte". Wie ist es da mit der Entstehung? Machst du das komplett alleine, wirst du beraten, lässt du dir da reinpfuschen, oder alles Frei Schnauze?

Sammy: Das mache ich schon Frei Schnauze, aber bringe das immerwieder mit in den Proberaum und hole die Meinungen ein. Wir hängen aber schon so lange zusammen rum, dass ich ohnehin weiß wozu sie ja und wozu sie nein sagen.

Redaktion: Gibt es da labelseitig irgendwelche Eingriffe?

Sammy: Nein, das haben wir nicht so gerne. Wir sind zwar ganz nett, aber auch nicht ganz so einfach. Wir lassen uns nicht gerne reinreden. Wir machen es ja trotzdem so, dass alle happy sind am Ende.

Redaktion: Auf eurer DVD und auf der "Harter Weg"-Single war schon die Neuauflage vom Song "Fackeln im Sturm" zu hören. Wie sieht es mit dem Rest des Albums aus?

Sammy: Lasst euch mal überraschen. Es passiert was. Wir haben da was in Planung.

Redaktion: Bei eurer anstehenden Tour seid ihr mit "The King Blues" unterwegs. Was sagt ihr zu der Truppe?

Sammy: Geile Band. Wie habe ich die entdeckt? Hab mir die letzten beiden CD's bestellt...

Andi: Du kamst irgendwann mal mit nem youtube-link an, da sind die in so einem alten Lagerhaus.

Sammy: Die passen total gut zu uns. Die sind auf der einen Seite sind die Pop, sind die Punk, sind die Hip Hop, aber auf der anderen Seite ticken die sehr ähnlich. Ich glaube wir werden uns gut verstehen. Die sind in England sogar auf einem Major-Label erschienen, da werden die sicher ein fettes Ding. Ich freue mich auf die.

Redaktion: Die Tour- und Festivaltermine stehen fest. Fühlt ihr euch fit für den Sommer?

Sammy: Also gestern war es total geil. Das hat mir Mut gemacht. Auch eine geile Setlist, teilweise aus Versehen eine gute Setlist gemacht. Wir waren uns im Proberaum gar nicht so sicher, ob die Setlist gut ist.

Andi: Wir haben im Proberaum echt zwei oder drei mal probiert die Setlist durchzuspielen und das war echt anstrengend...30 Songs, wie will man das durchhalten...

Sammy (rülpst): Boah, riechst du das?

Andi: Das ist der Kartoffelsalat von eben, lecker. Wir haben es nicht geschafft die einmal durchzuspielen und da waren wir alle ein bisschen unsicher. Aber gestern war gut!

Sammy: War es gefühlt zu lang?

Redaktion: Zu lang, nein. Ihr habt ja auch schon noch längere Konzerte gespielt.

Sammy: Das waren 34 Songs! Wir sind uns nicht sicher, ob das nicht zu lang ist.

Redaktion: Also ich glaube, die Leuten hätten auch noch weitergefeiert, wenn ich noch zwei Stunden länger gespielt hättet Freut ihr euch bei den Festivals im Sommer auf bestimmte Bands?

Sammy: Ich weiß gar nicht mit wem wir alles spielen.

Andi: Ich glaube wir spielen nächste Woche in Paderborn. Da spielen Sondaschule, Mr. Irish Bastard und wir und Culcha Candela (beide lachen). Das kann durchaus lustig werden.

Sammy: Wo sind die Magdeburg City Girls?

Andi: Ich glaube das wird eine lustige Party.

Sammy: Wir spielen auf dem Greenfield mit Social Distortion.

Andi: Und Frank Turner. Da freue ich mich drauf.

Redaktion: Bei Festivals müsst ihr aufpassen. Ich habe gerade letzten Samstag bei einem Festival in Dessau erlebt, dass der Headliner auf die Bühne kam und die Menge mit "Hallo Leipzig!" begrüßte und das noch mehrmals widerholte. Ist euch sowas schon passiert?

Andi: Ist uns doch auch passiert letzte Tour.

Sammy: Stuttgart und Saarbrücken, aber beides mit S. Das war peinlich.

Redaktion: Hast du das direkt bemerkt?

Sammy: Ja. Wenn irgendwelche Bands nach drei Konzerten sagen, dass sie nicht mehr wüssten wo sie sind, das ist Schwachsinn, natürlich wissen die das. Bei mir war es so, dass ich voller Euphorie zur Zugabe auf die Bühne kam und "Hey Stuttgart, das macht so viel Spaß mit euch" rief. Saarbrücken (zugeflüstert). Aber die Leute haben das verstanden, die wissen der Typ da oben ist nicht ganz so helle, also lasst den mal erzählen.

Redaktion: Dürfen sich eure Fans auf etwas Spezielles freuen bei eurer Tour:

Andi & Sammy: Nein (lachen)

Redaktion: Ihr habt euch die Messlatte selber ziemlich hochgelegt durch eure vergangenen sehr intensiven Shows. Wie wollt ihr das nochmal steigern? 10 Prozent Lauter, 10 Prozent mehr Schweiß oder vielleicht 10 Prozent mehr Haut zeigen?

Sammy: Nein, wobei ich der Ines gestern schon zu diesem Ausschnitt geraten habe.

Redaktion: Sie sah gestern auch ganz besonders entzückend aus.

Sammy: Zu meiner Freude. Aber hier ihre Kollegin (ebenfalls mit interessantem Ausschnitt) Herr...Herr ehm...Herr Heiland (auf Zuruf). Was wir einfach machen werden, wir werden einen geilen Mix machen aus ganz alten Liedern und ganz neuen Lieder. Das haben wir gestern auch gemacht. Wir haben Songs zum ersten Mal live gespielt oder Songs die wir ewig nicht gespielt haben und ich glaube, das macht den Leuten Spaß. Wir selber müssen Spaß auf der Bühne haben und wenn das klappt, dann macht es euch auch Spaß glaube ich.

Redaktion: Dann habe ich wieder zwei, drei Quatsch-Fragen für euch. Zunächst: Welche coole Superhelden-Fähigkeit hättet ihr gerne und wozu würdet ihr sie missbrauchen.

(ein Moment Ruhe)

Sammy: Trüffel!

Andi: Trüffel?

Sammy: Ach Schweine sind gar keine Superhelden?!

Andi: Was ist denn Trüffel für eine Superkraft?

Sammy: Trüffelschwein!

Andi: Ach Trüffel finden?

Sammy: Ja, Trüffel (lacht)...Superkräfte...Also Batman, der kann ja gar nichts, der ist einfach nur stark. Ich weiß es nicht. Ich wäre gerne Batman. Du könntest Robin sein (schaut zu Andi).

Andi: Den Hulk fand ich immer sehr geil. Der hat sich aufgeregt, dann wurde er auch mal böse.

Sammy: Wielange darf das hier eigentlich sein? Wer schneidet das alles? Du?

Redaktion: So gut ich's kann (lacht)

Sammy: Final Cut?

Redaktion: Einen machen wir noch.

Sammy: Ich meinte das Program.

Redaktion: Ich bin da kein Experte, aber vielleicht würde ich mein linkes Ei für dieses Program geben. Wofür würdet ihr denn euer linkes Ei geben?

Sammy: Das was da grade raushängt?

Redaktion: Nein, ich habe es ja wieder verpackt. (lacht)

Sammy: Mein linkes Ei...

(Ein Moment Ruhe)

Sammy: Nö, alles ist gut so...Auf jeden Fall Weltfrieden natürlich. (alle lachen) Gesundheit und Weltfrieden. Mein Hoden für die Gesundheit. Und ich sollte nciht so liegen, ich habe mittlerweile wirklich ein Doppelkinn.

Andi: Ich würde mein linkes Ei dafür geben, wenn ich es dem Sammy da unten ans Kinn nähen dürfte. Das fände ich voll geil.

Redaktion: Letzte Worte!

Sammy: Das war's, alle ab in die Dusche!

Eingetragen von eh am 10.06.2011.

Mehr zum Thema

News

Reviews

Konzertberichte

Fotos

Interviews

Print & Video