Wirtz

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Wirtz

Redaktion: Dankeschön Daniel, dass Du dir Zeit genommen hast. Deine Reiseapotheke hast Du schon angesprochen - Du bist krank! Wie geht es Dir denn momentan?

Es geht bergauf! Die letzten Tagen waren schon eher so, dass ich dachte, entweder stirbst du oder es geht irgendwie vorüber. Es ging also vorüber und heute ist der erste Tag, wo ich denke, das könnte mal ganz gut werden.

Redaktion: Deine Platte "Erdling" ist jetzt seit Ende Oktober draußen. Wie war die Resonanz dazu? Was sagst Du zu der Chartplatzierung?

Also, die Charts interessieren mich eh nicht. Wenn man jetzt auch mal hinter die Kulissen guckt, was heutzutage überhaupt möglich ist, um in die Charts zu kommen. Das hat mittlerweile auch gar nichts mehr mit rein verkauften Stückzahlen zu tun, sondern ist viel mehr umsatzabhängig. Also scheiß auf die Charts! Es ist zwar sicherlich schön, dass man mal drin war auf der 44, aber das geht jetzt auch wieder raus. Für mich war einfach wichtig, dass die Leute, die das hören wollen, geflashed sind und nicht denken, dass das jetzt schlechter ist, als die erste Platte. Was mich auch sehr gefreut hat, dass diverse andere Magazine mir sehr gute Kritiken gegeben haben. Für den Rockbereich ist der Metal Hammer wichtig, ist das RockHard wichtig, weißt du? Und da teilweise die volle Punktzahl am Start. Da denke ich mir dann schon, "ja, gut. Klassenziel erreicht!" und wenn dann noch der Endverbraucher geflashed ist, was ja eigentlich das Wichtige ist, denn da soll es ja hin, dann würd ich sagen: ein voller Erfolg!

Redaktion: Die erste Single auf dem Album heißt "L.M.A.A.". Wie ist der Song entstanden und gibt es allen Ernstes Leute, die soetwas von Dir behaupten, was in dem Song zu hören ist?

Ja, da musst du nur mal Radioberichte lesen oder was von Magazinen zurückkommt. du schickst ja das Zeug an die raus und normalerweise hast du ja so ein Puffer von einer Plattenfirma, die das Ganze etwas abfängt. Dadurch, dass ich das aber selber mache, kommen die Absagen vom Radio, vom Print, etc. dann alle direkt zu mir und da waren teilweise genau solche Sachen drin, die eine Strophe wert waren. Die Antwort gibt es dann halt im Chorus.

Redaktion: Du warst ein Jahr im Studio für Erdling. Wie finanziert man das? Hat der Erfolg des ersten Albums "11 Zeugen" da die Kosten gedeckt?

Das finanzierst du mit jedem T-Shirt, mit jedem Ding. Wir machen das ja zu zweit. Der Matthias Hoffmann (Produzent von "Erdling" und "11 Zeugen") ist ja mein Partner und wir machen zusammen das Label, haben zusammen das Studio. Da wird dann halt von beiden alles reingeschmissen und jedes Shirt, was verkauft wird, geht letztendlich auf die Platte. Jedes Poster geht in das Loch. Mit der ersten Geschichte, allen Festivals und allen Konzerten sind wir jetzt auf null bzw. lass es 2000 Euro minus sein, aber so können wir jetzt sagen, da kann man nochmal reinhauen. Und am Ende muss man eben zu einer Bank gehen und sagen: "Ok, das und das haben wir jetzt an Umsatz gehabt. Gebt ihr uns mal nen Darlehen oder was?" und nimmt man sich privat einfach ein Darlehen bei der Bank, um in Vorleistung zu gehen. Das ist alles schon so kalkuliert. Wir wissen, bis wohin können wir uns dann persönlich verschulden, was dann im Laufe des Jahres wieder reinkommt, insofern war das bis jetzt auf jeden Fall tragbar.

Redaktion: Ich habe im Internet etwas davon gelesen, dass Daniel Wirtz jetzt der "kleine W" sei. Wie gehst Du mit sowas um? Freut Dich der Vergleich oder nervt Dich das eher?

Ich kenn Stephan persönlich gut und musikalisch ist das natürlich eh alles Geschmackssache. Vom Textlichen her ist er auf jeden Fall auch einer der ganz Großen im Land. Ich meine, da ist jetzt auch nicht alles Gold und alles obergeil, aber da sind auf jeden Fall über sehr viele Jahre sehr viele gute Texte entstanden. Das ist auf jeden Fall kein schlechter Vergleich. Dann natürlich an einem Kumpel gemessen werden...ich sehe das jetzt gar nicht so konkurrenzmäßig. Er macht sein Zeug und ich mach meins. Ich denke, der da mal in die Alben reinhört, merkt, dass das was komplett anderes ist.

Redaktion: Mit Nordend Antistars habt ihr beiden schonmal etwas gemeinsam gemacht. Kannst Du Dir denn vorstellen, in der Zukunft nochmal so etwas zu starten oder evtl. eine gemeinsame Tour? Viele Fans sagen auch, Du wärst perfekt für einen Supportslot vom W.

Daniel: Also, Stephan hat natürlich auch eine Firma. Die hat jetzt zum Beispiel D-A-D gesignt. Freundschaftlich könnte er mich natürlich davor setzen, aber andererseits hat er mit D-A-D ein Pfeid im Stall, was es echt wert ist, mitzunehmen. Zum einen, weil die Jungs hier noch kaum einer kennt und zum anderen, weil die auf der Bühne auch extrem einen hinlegen. Es ist musikalisch auch noch weit genug von ihm weg. Es nutzt ja jetzt auch nichts, wenn du dir das komplett gleiche...es ist natürlich Rockmusik mit deutschen Texten was wir machen. Andererseits fänd ich dieses Päärchen auch ganz geil, aber wir sehen das beide sehr sportlich. Und wenn ich dann schon irgendwo Support spiele, dann is meine Intention, dass ich es dem Hauptact verdammt schwer machen möchte. Da bin ich Stephan nun natürlich zehn Jahre voraus (lacht). Und da wird er vielleicht auch denken, bevor da jetzt der direkte Vergleich auf der Bühne stattfindet, muss man die Freundschaft auch nicht riskieren, sodass eine Rivalität ausbricht, wenn einer schreibt "ich fand den Wirtz jetzt aber geiler!". Bevor das solche Ausmaße annimmt, ist es schon ganz fair, dass wir beide unser eigenes Ding fahren.

Redaktion: Und Projekte in der Zukunft? Könntest Du Dir da was vorstellen?

Daniel: Ich sag niemals nie! Wir sind weiterhin gut befreundet und wenn sich da was ergibt, wär ich der Letzte, der da keinen Bock drauf hätt. Nur, er ist mit der DVD jetzt da und wird wahrscheinlich jetzt auch eine zweite Platte nachlegen wollen und da wird er genug mit zu tun haben. Ich hab hier meinen Scheiß und ich glaube, noch einen WM-Song bekomm ich ihm nicht aus dem Leid geritzt (lacht). Geplant ist nichts.

Redaktion: Gibt es denn sonst Leute, die Du zum Beispiel gerne auf Deinem nächsten Album als Gast hättest? Oder mit denen Du generell mal was zusammen machen möchtest - musikalisch oder tourmäßig?

Daniel: Nee. Also ich bin ja mal von ein paar Rappern angesprochen, ob ich mit denen was mache, aber andererseits...was soll ich mir denn jetzt da hinholen? Das ist auch wieder so Major-Plattenfirmen-Denken, so nach dem Motto: "komm, wir stellen die jetzt mit der Sängerin von Silbermond oder Juli da hin, dann machen die nen Lovesong und dann knallt das durch die Decke". Die sollen alle ihren Scheiß machen und ich mach meinen. Wenn du jetzt natürlich ankommst und mir Eddie Vedder oder Chris Cornell oder nen Dave Grohl da hinstellst, dann würd ich das natürlich über den Haufen werfen und sage sofort war. Aber national irgendwas zu nehmen um irgendwas zu putzen und dann noch nen schwules Video hinterher - das muss nicht sein.

Redaktion: Gibt es bei Dir einen Masterplan? Wo willst Du mit deiner Musik hin?

Daniel: Ja, es geht bei mir seit zehn Jahre nur um's Überleben, um's blanke. Der Masterplan ist, am Ende des Monats die Miete zu zahlen und das weiter machen zu können und solange das funktioniert, ist alles super.

Redaktion: Ist denn schon was für nächstes Jahr geplant? Vielleicht wieder ein, zwei Sommerfestivals mitzunehmen?

Daniel: Ja, ich sitze gerade im Nebenraum mit meiner Bookerin aus Frankfurt zusammen, wo wir das ganze Thema mal angesprochen haben, wie es weitergehen soll. Und klar gilt es da natürlich möglichst viele schöne Sachen mitzunehmen. Bei mir ist nur das Problem: ich habe ja alles bezahlte Profis um mich herum. Wenn der Matthias (Hoffmann) jetzt umsonst mitfährt und nebenbei auch noch das Merch macht, dann ist das die eine Sache, aber jeder Mucker kostet halt nen richtigen Scheck am Abend. Als Beispiel: ich habe letztes Jahr sechs Festivals gespielt und das ganze hat mich ca. 9000 Euro gekostet. Und da überlegt man sich schon, ob man da jetzt 30 Festivals spielen soll - so viel Geld kann ich mir gar nicht bei meiner Bank leihen. Es muss irgendwo gewährleistet sein, dass man die Kosten wieder drin hat und kleine Festivals haben für den Wirtz in der Vergangenheit nicht die Kosten getragen. Und die großen Dinger sagen eben "wenn du hier spielen willst, dann ist das dein Problem". Also bei Rock Am Ring und Rock Im Park kriegst du dann ja auch keinen Cent. Da muss ich dann natürlich immer volle Ladung an alle Jungs bezahlen. Viele kommen dann an und sagen "ja, jetzt seh ich El*Ke - so eine kleine Band, die spielen 70 Open Airs...ja, klar. Wenn da alle im selben Boot sitzen und sagen, wir pennen im Bus, was ich ja eh die ganze Zeit mache, dann würd ich das sofort tun. Aber erzähl das mal Leuten, die Familie haben und ansonsten bei einem anderen Act richtig viel Geld verdienen können, nach dem Motto "komm, jetzt mach das mal aus Überzeugung". Da antworten die dir auch "sag das mal, meinem Magen, meinem Vermieter oder meinen Kindern."

Redaktion: Wie ist es denn bei Dir? Entsteht erst die Musik und dann der Text oder ist das umgekehrt oder etwa beides in Symbiose?

Also es ist mal so, mal so. Je nach dem. Meistens ist es irgendeine Stimmung oder ein Gefühl, was mich zur Gitarre treibt und daraufhin entsteht dann meistens etwas. Wenn etwas aus einer solchen Situation entsteht, dann ist der Text ja quasi schon da. Wenn die Ex dich dann verlässt, dann weißt du ja, warum du dich so kacke fühlst: weil die nämlich nun weg ist. Es geht dann eben immer darum, am Ende die Musik um den Text zu hacken, den man da geschrieben hat. Das geht alles Hand in Hand.

Redaktion: Im Moment ist der Tod von Robert Enke ein riesen Thema in den Medien und damit einhergehend ist auch das Thema Depression in die Öffentlichkeit geraten. Wie setzt Du Dich damit auseinander?

"Der Feind in meinem Kopf" ist genau Robert Enke, ja? Ich denke mal, jeder Mensch ist irgendwie so veranlangt. Es gibt ja gewisse Glückshormone, die ausgestrahlt werden und dann man sich die dann zu viel in irgendeiner Form von außen reinknallt, dann werden sie natürlich im Nachhinein nicht ausgeschüttet...zum Thema Depresssion: mein Vetter ist depressiv und von daher weiß ich, wie diese Krankheit ist. Allein in meinem Bekanntenkreis gibt es fünf, sechs Leute, die so drauf sind und bei denen das dann mit irgendwelchen Pillen wieder cool ist, aber wenn nicht, dann steh'n die vor'm Zug. Ich kenn es im kleinen Rahmen bei mir auch, wo ich dann einfach merke... also, du weißt es ist nicht so, aber in dem Moment ist es halt so. Dann stehst du nachts auf, weil diese Ängste dich wachmachen und du denkst, "das war's jetzt!". Dann drehst du total durch und weißt zwar schon, den nächsten Morgen ist alles wieder cool, aber in dem Moment ist es halt echt. Darüber habe ich eben auch einen Song geschrieben - "Der Feind in meinem Kopf". Bei mir ist es vielleicht jetzt nicht in diesem Stadium, wo es gefährlich wird, weil ich in dem Fall etwas Glück noch habe. Aber ich kann mir schon vorstellen, wenn man das Ganze dann mal zwei nimmst, dass du dann echt sagst: ciao!

Redaktion: Vielleicht dient ja auch gerade die Musik als Katalysator, um das zu verarbeiten.

Wie gesagt, es wurde Zeit, dass ich diesen Song schreibe. Seit es diesen Song schreibe, steh ich dann da und kann mich an diesen Song erinnern, aber du schaffst es nicht. Ich steh dann da vor dem Spiegel, erinner mich an die eigene Nummer und weiß, dass da oben einfach nur ein Film läuft, bei dem man weiß, es hat nichts damit zu tun, was in Wirklichkeit ist. Aber selbst da ist schwer, sich damit rauszuziehen. Da will ich dann auch gar nicht wissen, wie das bei Leuten ist, die extremst manisch-depressiv sind. Da ist es dann sicher nochmal das hundertfache von der Dosis, wie es mir dann geht.

Redaktion: Mit "Meilenweit" hast Du auch einen - im Gegensatz zu den doch überwiegend persönlichen Lyrics - recht allgemein verfassten Text auf deinem Album. Entsteht sowas dann durch Medienkonsum oder aus eigenen Erfahrungen heraus?

Da muss man nur mal mit offenen Augen in Frankfurt durch das Bahnhofsviertel laufen, weißt du? Da sieht man dann teilweise das Elend da sitzen und man denkt: "dafür, dass wir die höchst entwickelte Spezies auf Erden sind, sind wir echt weit davon entfernt, nur wie nen Ameisenhaufen zu ticken" - da würde soetwas nicht abgehen. Dementsprechend sind das dann auch nur Momentaufnahmen und dafür muss ich nicht den Fernseher anmachen. Fernsehen gucken tu ich schon fast gar nicht mehr, weil über diese Verblödungsmaschinerie und was da tagtäglich abgeht, da kannst du ja tausend Songs drüber schreiben. Mit "Overkill" hab ich das dann mal so abgedeckt, so nach dem Motto: "Gut, macht ihr das mal - ich muss das nicht haben!"

Redaktion: In einem damaligen Interview, was Du noch als Sub7even-Fronter gegeben hast, hab ich den Ausspruch von Dir gelesen, "seine eigene Musik hören ist wie sein eigenes Sperma schlucken". Tust Du das mittlerweile, also nicht das Sperma... (lacht) deine eigene Musik hören. Hat sich da was geändert?

Die Sologeschichte ist zum erstem Mal etwas, was ich mir auch selber geben kann. Also, ich sitze da jetzt nicht jeden Tag und feier mich selbst ab, aber wenn meine Songs jetzt so im Endstadium hab, dann mix ich die in iTunes einfach mal zwischen andere Songs und schau, ob die da groß rausfallen oder nicht. In dem Moment stört mich meine eigene Musik überhaupt nicht. Mit dem Solo-Ding ist es also wesentlich einfacher zu ertragen, als mit Sub7even. Im Studio bin ich dann natürlich schon total Fan von mir selbst, ja? Wenn bei mir da nicht die Pelle hoch geht, wenn der Song so herauskommt, wie er im Kopf war, dann schafft er es auch nicht auf eine Platte. Wie gesagt, ab und an kann ich mir das schon geben. Wenn Leute dann allerdings im Raum sitzen und ein Song von mir kommt in der iTunes Playlist, dann zapp ich weiter, aber wenn ich alleine bin, dann lass ich's auch mal durchlaufen und denke: "ja, das klingt jetzt nicht schlechter als der Rest".

Redaktion: Gab es denn während deiner bisherigen Aufnahmesessions viel Ausschuss? Songs, die vielleicht im kreativen Prozess stecken geblieben sind und mit denen Du dann nicht mehr so zufrieden warst?

Ich bin da eher so: was am Anfang schon nicht funktioniert, das wird auch erst gar nicht weiter ausgedacht. Die Sachen, die im kleinsten schon irgendwo funken, die sind dann auch auf der Platte. Es gibt natürlich auch super viel Ausschuss. Ich habe allein zu Hause über 60 Gigabyte fette Riffs, mit denen andere ganze Platten machen würden, die aber einfach so belanglos sind. Wenn ich an einen Song herangehe, dann aus einer emotionalen Sache und dann ist das Thema schonmal wichtig. Wenn es dann funktioniert mit einer Melodie, dann wird daran gearbeitet, bis es geil ist. Alles, was zwischendurch ist, wird auch nicht mehr angepackt.

Redaktion: Wie stehst Du denn mittlerweile zu den ersten beiden Sub7even Alben auf einem Major Label? Viel gemein mit "Love, Chains & Rockets", dem letzten Sub7even-Album hatten sie ja nicht.

Ohne die ersten beiden Alben wär ich nicht da, wo ich jetzt bin. Da sind bestimmt viele Kompromisse und viele Fehler drauf. Man würde vieles heute sicher anders machen, aber das war auch eine Bandkonstellation, fünf Leute also. Im Songwriting hatte ich viel mit'm Christian zusammen gemacht, aber auch die beiden Gitarristen hatten was abgeliefert. Da will der Drummer sein Drum so spielen, wie er will, die Gitarristen wollen ihren Riffs aber so ... und am Ende stehst du da und keiner findet's eigentlich richtig geil. In einer Band ist es fast nie so, dass einer sagt, "boah, ist das fett!". In der Summe ist es ein gelungenes Ding geworden - bei allen drei Alben - aber es ist jetzt nicht so 100% meins, sodass ich denke, "da steht alles 100% so wie es sein soll und viele Dank, so wollte ich das haben".

Redaktion: Gerade durch deine Soloalben kommt bei mir jetzt die Frage auf: schreibt Spiros (Git.) jetzt alleine für Sub7even die Riffs oder beteiligst Du Dich da schon noch? Schließlich könntest Du ja bei einem guten Riffs sagen, "och nö, das nehm ich jetzt dann doch lieber für mich selbst".

Das habe ich jetzt komplett getrennt. Wir haben da einen Proberaum in Herne, wofür wir auch jeden Monat fett Kohle lassen und mit meinem Label wär es ja auch möglich, Sub7even Alben zu veröffentlichen. Da muss dann eben jeder selbst wissen, was man nun unter Musikersein versteht. Andere Leute gehen acht Stunden einem normalen Job nach und als Musiker setz ich mich dann eben acht Stunden hin und arbeite an Songs. Oder mach ich es so, dass ich abwarte und schaue, womit der andere jetzt ankommt. Ich hab von Anfang an gesagt, wenn die anderen noch Bock haben, dann gerne. Es müssen jetzt auch eine 100% fertigen Songs mit Text und Melodie sein, eine kleine vorarbeit würde ja ausreichen. Da wär ich dann der Letzte, der sagt, ich bring mich nicht mit ein. Es war eigentlich der Stand, dass zwölf Killertracks da waren, dann ist ihm aber die Festplatte abgeraucht und es waren nur noch sechs. Von den sechs waren vier so halb fertige Demos. Es ist jetzt auch schon wieder ein gutes Jahr vergangen und ich denke, ich hätte in zwei Wochen viel geilere da hingenagelt. Ich hab dann also gesagt: "Checkt das aus und lasst Euch Zeit. Ob es nun zwei oder fünf Jahre dauert, ist egal, aber bevor wir dann wieder so ein Album machen, was eigentlich keiner braucht, dann brauchen wir uns echt nicht anstrengen". Es ist heutzutage eh schon so schwer geworden, überhaupt Platten zu verkaufen. Da will man es dann einer anderen Band mit irgendwelchem Trash auch nicht schwerer machen, ihre Platten da hinzustellen, die es verdient hätten. Sie können ja fette Songs schreiben. "Hate", einer meiner Favorites auf der letzten Platte ist komplett von Sprios - Text und Melodie. Es geht ja! Es kommt dann eben auf den Anspruch an. Entweder, du sitzt da und bist zufrieden mit dir oder es brennt dir noch unter den Nägeln und man hat noch etwas zu sagen.

Redaktion: Zurück zu Deinen eigenen Sachen und auch zu der Tour. Was können die Fans auf dieser Tour erwarten?

Ich denke, das Besondere daran ist, was auf und vor der Bühne passiert. Das sind alles Leute, die riesig Bock drauf haben und die sich teilweise schon ein halbes Jahr im voraus dafür Urlaub genommen haben, um schlussendlich dabei zu sein, die jeden Song mitsingen. Es wird einfach sehr chillig, es gibt keinen Druck auf keiner Seite. Es sind heute 800 verkaufte Tickets, mit Technik und Band haben wir dann also 811 hochmotivierte Leute im Saal - da kann einfach nichts schief gehen. Diese Entspanntheit und das Freuen aufeinander macht es eben zu etwas Besonderem. Die Fans wissen, was auf sie zukommt und ich weiß, worauf ich mich freuen darf - also kann es nur gut werden. Ich hab keine schöneren Konzerte gespielt, als Solo.

Redaktion: Die berühmten letzten Worte gehören Dir. Warum sollte man Deine neue CD kaufen?

Daniel: Wenn man die neue kauft, muss man eigentlich die alte haben. Es ist so wie wenn du Matrix II kaufst, musst auch schon wissen, worum es geht. Es funktioniert auch für sich alleine, aber geiler ist es, wenn du die Story davor hast. Für einen Einsteiger würd ich sagen, er soll sich erstmal die "11 Zeugen" reinziehen und wenn es dann gefällt, kann man ja in den zweiten Teil ("Erdling") ja auch mal reinhören. Warum soll man es kaufen? Ich denke, so in der Art und Weise ist es schon sehr speziell und sowas findet man nicht so oft. Wer also Bock auf ewas Neues, der ist herzlich eingeladen. Hab mir sehr viel Mühe gegeben, dass es gut klingt und ja - checkt es mal aus! (lacht)

Eingetragen von bp am 19.11.2009.

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