H-Blockx

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H-Blockx

Redaktion: Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Hallo, ich bin Tim von den H-Blockx und ich spiele da Gitarre.

Redaktion: Fangen wir gleich mit dem Album an: Es gab doch einige überraschte Stimmen zu der guten Qualität der Platte und das, obwohl ihr Probleme mit der Plattenfirma hattet.

Das ganze Album und die Produktion war eigentlich schon ein Kampf, weil wir zweieinhalb Jahre an der Platte gearbeitet haben. Wir hatten wirklich sehr, sehr hohe Ansprüche und wollten ein Album machen, wo wirklich alle hundertprozentig dahinter stehen können. Wir haben uns auch einen externen Produzenten dazugeholt. Diese Umstände haben dafür gesorgt, dass es A) sehr lange gedauert hat und B) als die Platte dann fertig war - das ist wahrscheinlich die Sache, auf die du hinaus willst - ging es um die Vermarktung, das Video etc und wir sind da nicht ganz mit der Plattenfirma auf einen Nenner gekommen. Erstmal was den Inhalt des Albums anging, bei der Singleauswahl und auch bei unseren Ideen fürs Video. Da kam halt das Feedback: "Das guckt doch keine Sau, das interessiert doch keinen!" Und da ist Henning dann aufgestanden und hat gesagt: "Ich verwette meinen Arsch drauf, dass die Leute das gucken, dass die das interessiert, dass das Video geil wird und dass das die richtige Entscheidung ist!" und damit war die Wette geboren, da haben wir quasi um die Kosten des Videos gewettet. Das heißt, dass - ich weiß nicht mehr genau - bis zum Ende des Jahres 100 000 Klicks bei YouTube auf dem Video sind, dass wir das hinkriegen. Das haben wir natürlich locker hingekriegt, mittlerweile sind wir bei 400 000. Wir haben die Wette gewonnen, das war so ein sportlicher Wettkampf, sag ich mal.

Redaktion: Und auf so was lässt sich das Marketing ein?

Nein, die Marketingleute eigentlich nicht, die sind ja recht vernünftig. Aber der Chef der Plattenfirma, der lässt sich auch schon mal gerne zu solchen Sachen hinreißen.

Redaktion: War ja sicherlich nicht überraschend, dass die Fans so hinter euch stehen, sonst hättet ihr euch sicher nicht darauf eingelassen.

Ja, aber wir waren eigentlich sehr überzeugt und wir wollten das Album endlich so rausbringen, wie wir uns das überlegt hatten. Ist halt n Haufen Arbeit, aber das wollten wir halt durchziehen. Man kann sich nie ganz sicher sein, wenn man drei Jahre keine Platte gemacht hat, ob man die Fans noch erreicht oder erreicht man neue Leute. Das muss man halt rausfinden. Von daher war's schon in bisschen riskant, aber wir haben dran geglaubt und von daher war's eigentlich okay.

Redaktion: Die Platte selbst scheint ein bisschen softer als die Platten zuvor. Wie kommt das?

Sie ist mit Sicherheit ein bisschen... hm, softer würde ich nicht sagen... es basiert halt auf Songs, die auf dem Klavier entstanden sind und an der Akustikgitarre. Das sind so Ansätze, die wir vorher noch nie verfolgt haben. Wie zum Beispiel auch "Open letter to a friend", das hat Henning zu Hause auf dem Klavier geschrieben. Für solche Songs sind wir dann auch noch mal nach Schweden gefahren ins Studio und haben die Songs da ausgearbeitet. Am Ende des Tages hatten es halt viele ruhigere Stücke mit Klavierelementen in die Endrunde geschafft. Das war nicht so geplant, das ist einfach so passiert.

Redaktion: Denkst du, dass das was mit dem Entwicklungsprozess der Band zu tun hat?

Ja definitiv. Die Band gibt's 18 Jahre. Man muss sich ständig weiterentwickeln, probiert neue Ideen. Man findet ja auch dauernd andere Musik gut. Man kann sich ja nicht ständig wiederholen. Madonna macht auch jedes Album komplett anders. Ich glaube, wir haben schon immer recht unterschiedliche Platten gemacht, ich glaube nicht, dass ein Album mit dem anderen zu vergleichen ist.

Redaktion: Du sprichst die 18 Jahre Bandgeschichte an. Wenn man was über die H-Blockx liest, dann kommen oft so Sätze wie "Tot Geglaubte leben länger" etc. Was macht euch so erfolgreich?

Ich glaube in erster Linie die Tatsache, dass wir - will ich mal sagen - ne ganz gute Liveband sind und viel auf Festivals spielen und da auch immer recht gut abschneiden. Und natürlich, dass wir schon so lange dabei sind und die ganzen Erfahrungen, die positiven wie auch die negativen - schon verarbeitet haben und das auch können. Wir wissen einfach, dass man nicht so hohe Ansprüche haben darf, sondern aus Erfahrung sagen können, dass man auf nem gewissen Level arbeiten muss und kann, aber dann auch konstant arbeiten kann. Ich glaube, wir haben so eine gewisse Konstanz in dem, was wir machen. Es dauert mal zwei Jahre, mal drei Jahre, bis wir ne neue Platte haben, aber im Prinzip haben wir immer noch was zu sagen und wollen halt unsere Musik machen und wir haben uns dabei nie großen Stress gemacht.

Redaktion: Du hast gesagt, ihr seid 18 Jahre dabei, das heißt in zwei Jahren steht ein Jubiläum an. Macht ihr euch schon Gedanken darum?

Nee, soweit denken wir noch nicht.

Redaktion: Ich hab mir das Best of "More than a decade" gekauft und war überrascht, wie lange das alles eigentlich schon her ist, z.B. auch, wann "Move" eigentlich rauskam. Bei welchem Album geht's dir so, dass du dir alt vorkommst?

Ja auch gerade bei diesen Songs, wenn man sich überlegt, das sind Songs, die wir schon 1992 aufgenommen haben im Studio. Wenn ich mal kurz zurückrechne, das sind ja schon 15 Jahre - das ist schon erschreckend, wenn man das so sieht. Aber es macht halt nach wie vor Spaß die Songs auch live zu spielen. Wir modifizieren die immer so n bisschen, aber es macht uns nach wie vor Spaß, die zu spielen. Da waren wir halt grad von der Schule runter, als wir diese Songs gemacht haben.

Redaktion: Da war ich grade 10.

Oh, okay.

Redaktion: Wenn du grade vom live spielen sprichst: Ihr spielt nach wie vor gerne auch in kleinen Clubs und Locations. Zum Dank für die gewonnene Wette habt ihr ja auch in Münster auf dem Marktplatz gespielt. Ist euch das wichtig, auch so kleine Sachen zu machen und nicht nur große Hallen zu füllen?

Jaja, auf jeden Fall. Natürlich ist es auch nicht so einfach, große Hallen zu füllen. Also die Tour befindet sich jetzt so auf diesem Niveau (Anm. d. Red: Dem Niveau einer kleineren Clubtour), es wird rappelvoll heute Abend. Das ist eigentlich das, was am meisten Spaß macht. Und in Münster haben wir das wieder gemacht. Im Rahmen dieser Wette haben wir den Fans eben versprochen, wenn wir diese Klicks haben, spielen wir ein Gratiskonzert. Das haben wir dann in Münster gemacht auf dem Domplatz und da waren dann 12.000 Leute. Und abends haben wir dann in der Gorilla Bar - da passen 150 Leute rein - noch mal ein kleines Kneipenkonzert gegeben. Das war echt ein super Tag und das macht uns halt super viel Spaß. Natürlich macht es uns auch Spaß auf einer großen Festivalbühne zu spielen. Es hat beides was. Aber grade auf so einer Clubtour - darauf bereitet man sich besonders vor und die Leute kommen halt nur, um genau das zu sehen und auf nem Festival ist man halt eher Beiwerk, was auch gut ist, weil man Leute erreichen kann, die man sonst nie erreichen würde, die halt nie losgehen würden und zum Beispiel heute Abend vorbeikommen würden.

Redaktion: Ist euch dieser enge Kontakt zu den Fans wichtig?

Das ist uns auf jeden Fall wichtig. Abends nach dem Konzert gehen wir auch immer zum Merchandising-Stand und quatschen mit den Leuten oder trinken n Bier oder unterschreiben ein T-Shirt oder ne CD, wenn jemand möchte. Das ist uns wichtig und ich denke, dass ist für uns und für die Leute was besonderes. Bei uns hat keiner Berührungsängste, was das angeht. Gar nicht.

Redaktion: Ihr habt schon immer sehr breit gefächerte Musik gemacht, aber habt auch besondere Sachen wie den Soundtrack zu "Bang Boom Bang" gemacht. Wie kam's denn dazu?

Das war ein lustiger Zufall. Henning war auf einem Ärzte-Konzert in Unna Ende 1998 und da hatte Peter Thorwart, der Regisseur von "Bang Boom Bang", gerade den Film in Planung oder hat sogar schon gefangen zu drehen und der wollte die Ärzte überreden, den Soundtrack für den Film zu machen. Der hatte sich dann auf diesem Konzert mit den Ärzten getroffen und die haben ihm noch an diesem Abend abgesagt, und haben gesagt, "Wir haben keine Zeit dazu. Finden wir geil, schaffen wir aber nicht." Und der war dann n bisschen geknickt und hat dann zufällig Henning getroffen. Er hat Henning erkannt und hat ihn angequatscht und direkt am nächsten Tag sind wir alle zu ihm hingefahren nach Dortmund und Unna, wo er gedreht hat grade, haben uns die Dreharbeiten angeguckt, haben uns Ausschnitte aus dem Film angeguckt, haben die ganze Szenerie da mitbekommen und dann hat er uns seine Idee erzählt, wie er sich die Musik vorstellt und da haben wir direkt gesagt: "Ja klar, gerne, haben wir voll Bock zu!" und dann haben wir halt vier oder fünf Songs für diesen Soundtrack beigesteuert.

Redaktion: Und wie kann man sich die Arbeit dazu vorstellen?

Also "Time of my life" war ein Song, den wir eh schon geschrieben hatten zu der Zeit. Ansonsten haben wir auch Bilder von ihm bekommen mit Timecode, wo wir dann gezielt auf die Bilder, wo wir dachten, für die Szene brauchen wir noch Musik - wir haben dann Riffs und Elemente genommen, aus denen wir dann Songs gemacht haben oder Songs, die wir schon in der Schublade hatten, von denen wir dachten, das könnte passen und vielleicht noch n bisschen am Text oder Beat gearbeitet - also da haben wir halt bei sieben oder acht Positionen bei dem Film unsere Songs untergebracht.

Redaktion: Was ist die letzte Platte, die du dir gekauft hast?

Ich hab mir gestern noch die Cardigans-Platte gekauft... jetzt sag mir noch schnell, welche!

Redaktion: Die letzte?

Nee, langer Titel, kam 2004 raus... weiß jetzt nicht. Ich hab die zu Hause im Keller, konnte die aber nicht finden, jetzt musste ich mir die gestern bei iTunes gestern neu kaufen.

Redaktion: Du hast deine Platten also im Keller? Oder hast du so viele, dass du den Überblick verlierst?

Manchmal fällt mir ein, verdammt die hab ich doch, hab aber keinen Bock die zu suchen, weil ich mittlerweile alles auf Festplatte oder auf dem Rechner habe, aber wenn ich auf Tour bin, kann ich eh nicht im Keller suchen und dann hab ich Bock, die zu hören und dann kauf ich mir die eben bei iTunes. Was sonst noch? Ach ja, genau, vor ein paar Tagen hab ich mir die neue Queen of the Stone Age gekauft, die "Era Vulgaris" - die ist auch sehr geil.

Redaktion: Die hab ich auch.

Und die hier grade läuft, die neue Jay-Z - "American Gangster". Auch sehr geil. Kennst die schon?

Redaktion: Nee.

Die ist sehr gut.

Redaktion: Und was war deine erste Platte?

Das war "Highway to hell" von AC/DC.

Redaktion: Nicht schlecht. Exzellenter Geschmack. Gab's bei euch schon mal skurile Ereignisse während eines Konzertes?

In der Tat. Das war nicht auf einer Bühne, sondern in einem kleinen Kino. Wir haben in einem alten Kino in Ebensee in Österreich gespielt, das war 1994, als wir grade am Anfang standen und es grade anfing, abzugehen. Der Veranstalter hat den Laden so voll gepackt mit Leuten und bei dem Song "Move" sind die Leute alle so in einem Rhythmus hochgesprungen, dass der Boden vor der Bühne runtergekracht ist und die Leute alle im Keller saßen. Aber der Keller war nur so 1,50 Meter tief. Es gab also nicht wirklich Verletzte, aber das Konzert musste natürlich abgebrochen werden, die Leute mussten ihr Geld wiederbekommen, der Veranstalter musste denen ihr Geld wieder geben und das war schon ein großes Drama. Das war ärgerlich, denn quasi beim 5. Song war das Konzert schon vorbei. Das war doof.

Redaktion: Du meintest, ihr wisst noch nicht, was in zwei Jahren beim Jubiläum abgehen wird, dann kannst du mir sicher auch nicht sagen, wo die H-Blockx in 10 Jahren stehen werden, oder?

Nö, das weiß man nicht. Ich weiß nur, dass die H-Blockx sich nie offiziell auflösen werden. Kann sein, dass man mal ne Pause macht, aber man wird sich immer mal wieder treffen. Grade Henning und ich, wir kennen uns seit 25 Jahren... nee, länger... 30 Jahre fast. Man wird immer wieder zusammen kommen und was machen. Also ich weiß es nicht. 10 Jahre... also ich guck immer nur ins nächste Jahr ein bisschen und alles Weitere wird man dann sehen.

Redaktion: Mit dem Zusammenkommen wird's aber auch immer schwieriger, ihr wohnt ja nicht mehr in Münster oder generell an einem Ort.

Nee, gar nicht. Mittlerweile deutschlandweit verteilt. Henning wohnt in Berlin, Butze, unser Bassist, wohnt in Berlin. Ich wohne noch in Münster und unser Drummer wohnt noch in Bielefeld, ist aber grade im Begriff nach Berlin oder Hamburg zu ziehen.

Redaktion: Und wie läuft das bei den Proben?

Wir proben eigentlich nicht. Wir proben eigentlich nur vor gewissen Anlässen wie vor Auftritten, vor ner Tournee oder Studiobesuch. Wir haben ein eigenes Studio in Münster, wo wir uns treffen, wenn was anliegt. Wenn wir n neuen Song oder ne neue Platte machen wollen, dann treffen wir uns da zwei Wochen, arbeiten die zwei Wochen konzentriert und dann hauen wir wieder ab. Kommen halt immer nur zusammen, wenn's was zu tun gibt und das dann halt auch konzentriert. Also ist jetzt nicht so, dass wir uns dreimal in der Woche abends mit ner Kiste Bier treffen. Das lässt sich zeitlich einfach gar nicht mehr arrangieren.

Redaktion: Inzwischen hat ja auch jeder so seine "Nebenprojekte".

Ja, Henning ist ja bekanntermaßen bei den Söhnen Mannheims aktiv, die produzieren gerade ein neues Album. Das ist zum Glück zeitlich relativ entspannt, dass er zwischendurch immer mal wieder für ein paar Tage nach Mannheim fährt und dort mit denen im Studio arbeitet. Butze spielt auch noch in diversen anderen Bands. Steffen hat letztens bei Bushido ausgeholfen als Drummer, weil der Drummer krank war. Ich hab das Studio, Henning und ich betreiben noch das Büro, BLX Entertainment, wo wir auch Musikverlag, Management etc. für andere Künstler betreiben. So hat eigentlich jeder nebenbei noch zu tun, so dass man nicht nur auf ne Probe warten muss.

Redaktion: Abschlussfrage: welches Bier würdest du zu eurer Musik empfehlen?

Ich bevorzuge Becks oder Heineken, Henning kann auch mal mit so bayrischen Gebräuen klar kommen. Ich bin da mehr der nordische Typ.

Redaktion: Gut, dann danke ich fürs Interview.

Ja wunderbar. Danke auch.

Eingetragen von sak am 19.11.2007.

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